Regie: Thomas Monti

Spel: Esmeralda Detmers, Jon van Eerd, Sheila Lever, Adrie Pinxten, Henk Roelofs, Hein Luchtenberg, Marcia Hexspoor.

 

Friedrich Dürrenmatt

 

 

 

Erster Akt

Im Jahre „1947 oder 1948“, in dem die Handlung wohl spielt, besucht zu Beginn der Generalstaatsanwalt Florestan Mississippi die kürzlich Witwe gewordene Anastasia. Das gesamte Stück spielt ohne Szenenwechsel in einem Salon, der mit Biedermeier-Möbeln ausgestattet ist. Anastasia gesteht bald, dass sie selbst ihren Ehemann umgebracht habe, er jedoch klagt sie nicht an, sondern bietet ihr stattdessen die Ehe. Als sie sich weigert, gesteht er seinerseits, dass auch er seine kürzlich verstorbene Gattin Madeleine vergiftet habe, die Ehebruch mit dem Gatten Anastasias begangen haben soll. Die Ehe soll von beiden als Strafe erlebt werden, um so ihren Mord sühnen zu können.

Der Justizminister Diego bekommt vom Ministerpräsidenten den Auftrag, Mississippi den Rücktritt vom Staatsanwaltsposten nahezulegen. Er begründet dies damit, dass er mit seiner Radikalität, die sich in der gestiegenen Zahl der Todesurteile zeigt, in der augenblicklichen Weltlage falsch liege, die eher Mäßigung erfordere und auch die Linke unnötig errege. Dieses lehnt Mississippi jedoch entschieden ab, denn als Kämpfer für die „Gerechtigkeit des Himmels“ muss er seinen Posten beibehalten.

Kurz darauf trifft er auf seinen Jugendfreund Saint-Claude, der ihn zum Mitwirken bei der Reorganisation der kommunistischen Partei im Lande bewegen will. In dem folgenden Dialog zwischen Saint-Claude und Mississippi werden die Vergangenheiten von diesem und Saint-Claude dargestellt, die beider Handeln erklärt: Beide geboren als Söhne von Prostituierten, betrieben sie gemeinsam ein Bordell. In ihrer Jugend hatten sie jedoch unterschiedliche Begegnungen mit der Literatur; während Mississippi die Lehren der Bibel, insbesondere die Gesetze Moses, verinnerlichte, hatte Saint-Claude ein prägendes Erlebnis mit Marx' „Das Kapital“ und nun verfechten sie die Grundideen der beiden Werke, sodass Mississippi für „Gerechtigkeit des Himmels“, Saint-Claude für die der Erde kämpft. Als es Saint-Claude nicht gelingt, ihn von seinen Ansichten zu überzeugen und ihn für sich zu gewinnen, droht er mit einem Volksaufstand gegen den unbeliebt gewordenen Staatsanwalt.

Plötzlich wird die Handlung durch Graf Bodo von Überlohe-Zabernsee unterbrochen, der bereits zu Beginn des Stückes Erwähnung als Anastasias alter Jugendfreund findet. Im folgenden Dialog stellt sich heraus, dass die Liebe zwischen Graf Bodo und Anastasia eine alte Jugendliebe ist und dass Anastasia ihren Gatten umbrachte, um jenen zu heiraten. Graf von Überlohe-Zabernsee entschließt sich dieses Mississippi zu gestehen.

Zweiter Akt

Als dieser jedoch kurz darauf vom Volk verfolgt das Haus betritt, leugnet sie den Ehebruch.

Diego nutzt inzwischen die Gunst des Augenblicks (Volksaufstand), um vom Parlament zum Ministerpräsidenten ernannt zu werden. Daraufhin lässt er die von Saint-Claude begonnene Revolution niederschlagen; er enthebt Saint-Claude und Mississippi ihrer Ämter und lässt Mississippi ins Irrenhaus überführen. Saint-Claude will daraufhin mit Anastasia die Weltrevolution von Portugal aus neu planen und damit beginnen, Anastasia in ein Bordell zu übergeben bzw. eines für sie zu bauen, weil das ihre einzige Einsatzmöglichkeit für „das Wohl der Welt“ sei. Anastasia hingegen weigert sich und vergiftet Diegos Kaffee, was dieser jedoch durchschaut. Auf der Flucht aus der Irrenanstalt sucht Mississippi Zuflucht im Salon. In Abwesenheit Anastasias vergiftetet er nun auch die andere Tasse. Während des nachfolgenden Dialogs wissen nun beide, dass die Tasse des Gegenübers tödlich ist, ohne von der eigenen Gefahr zu wissen. Mississippi sieht darin die letzte Möglichkeit zu erfahren, ob Anastasia ihr Wesen geändert hat und nun im Sinne des Gesetzes Moses lebt. Doch selbst im Anblick des Todes lügt sie Mississippi an und schwört die Treue. Auch Mississippi stirbt an den Folgen des Giftes, jedoch in dem Glauben, dass sich der Mensch durch drastische Strafen ändern lässt und er auf dem richtigen Weg war. Seinem zurückgekehrten Bruder Saint-Claude schildert er im Sterben die Pläne für eine erneute Revolution. Saint-Claude zerbricht die beiden Tassen und kurz darauf klingelt das für ihn gesandte Mordkommando. Ohne Widerstand lässt er sich erschießen.

Zu Ende des Stücks treten erneut fast alle Figuren auf und ziehen nachdenklich Bilanz.

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